The Prize Bag: Double Lives of Architecture. Architekturpreis des Landes Steiermark 2025
Ausstellung
Eröffnung: 25. Februar 2026, 19 Uhr, im HDA, Mariahilferstraße 2, 8020 Graz Ausstellung: 26. Februar–15. Mai 2026, Di–So 11–17 Uhr Führungen durch die Ausstellung: samstags 15 Uhr, sonntags 11 Uhr sowie auf Anfrage
Die Ausstellung The Prize Bag: Double Lives of Architecture wurde im Rahmen des Architekturpreises des Landes Steiermark 2025 entwickelt. Die von Sevince Bayrak und Oral Göktaş vom Istanbuler Architekturbüro SO? architecture and ideas kuratierte Ausstellung und die begleitende Publikation vermitteln ein Verständnis von Architekturpreisen, das sie weniger als endgültige Bewertungen, sondern als Instrumente zur Auseinandersetzung mit Baukultur begreift. Über die Einreichungen zum Preis hinausgehend, wirft die Ausstellung die Frage auf, was sich hinter den makellosen Bildern von Gebäuden verbirgt, in die sich fortlaufend Lebensgeschichten einschreiben. Was geschieht zwischen Entwurf und Fertigstellung, zwischen Zeichnung und alltäglicher Nutzung? Was bleibt unsichtbar und ist doch entscheidend für die gelebte Realität?
Anknüpfend an den zuvor von den Architekt:innen entwickelten kuratorischen Ansatz der Carrier Bag Theory of Architecture, werden Gebäude als Behältnisse von Geschichten über Zusammenarbeit, Unvorhersehbarkeit und Transformation verstanden. Auf der Grundlage von Besuchen der 14 nominierten Projekte in der Steiermark, vertiefenden Gesprächen mit der internationalen Architekturtheoretikerin Hilde Heynen und umfangreichen Materialien, die von den nominierten Architekturbüros zur Verfügung gestellt wurden, deckt Double Lives of Architecture die chaotischen, unvorhersehbaren und zutiefst menschlichen Prozesse hinter der gebauten Form auf. Durch die Zusammenführung von Fotografien, Zeichnungen, Collagen, Bauunterlagen, Notizen und Krisenmomenten geht die Ausstellung dem „Doppelleben“ der Architektur nach: der Spannung zwischen Bild und Nutzung, zwischen idealisierten Narrativen und den tatsächlichen Gegebenheiten beim Bau sowie der fortwährenden Anpassung im Laufe der Zeit. The Prize Bag inszeniert Architektur nicht als vollendetes Werk, sondern hält den Diskurs offen – und lädt die Besucher:innen ein, näher hinzusehen und die Vielschichtigkeit von Architektur zu entdecken.
Versteht man ein Gebäude als Behältnis – das Schichten des Wandels, von Unvorhersehbarkeit und Chaos birgt, wie es die Carrier Bag Theory of Architecture vorschlägt – dann kann ein Architekturpreis mehr sein als ein Auswahlverfahren. Er kann zu einem Werkzeug vertiefter Auseinandersetzung mit Baukultur werden, das den Fokus weg von der Zirkulation von Bildern hin zur Essenz der Architektur selbst verschiebt.
The Prize Bag: Double Lives of Architecture entstand aus dieser Prämisse heraus im Kontext des Architekturpreises des Landes Steiermark 2025. Die Kurator:innen verstanden den Preis nicht als Ziel oder Etikett für das „beste“ Projekt, sondern als Katalysator – der aus dem Konvolut der 14 nominierten Arbeiten Fragen herauskristallisiert. Was lässt sich lernen, wenn diese Projekte gemeinsam gelesen werden? Welche Geschichten entfalten sich hinter den makellosen Fotografien, die zum Architekturpreis eingereicht wurden?
Um über einen rein repräsentativen Ansatz hinauszugehen, initiierten die Kurator:innen eine dreitägige Reise durch die Steiermark, bei der sie die nominierten Projekte gemeinsam mit Architekt:innen, Auftraggeber:innen, Nutzer:innen und Vertreter:innen von Institutionen besuchten. Parallel dazu wurden die Architekturbüros gebeten, zusätzliches Material zur Verfügung zu stellen: Baustellenfotografien, verworfene Details, technische Zeichnungen, Notizen, Krisendokumentationen, Budgetinformationen und Reflexionen, die im Allgemeinen nicht veröffentlicht werden. Dieser Prozess, der in mehreren ausführlichen Gesprächen vertieft wurde, etwa mit der internationalen Architekturtheoretikerin Hilde Heynen, steckte den Rahmen der Ausstellung ab.
Das „Doppelleben“ der Architektur entfaltet sich zwischen Bild und Nutzung, Intention und Realität, Konzept und Krise. Gebäude erscheinen nicht als statische Resultate, sondern als sich entfaltende Entitäten – beginnend auf dem Papier, geformt durch Verhandlung vor Ort und fortlaufend durch das alltägliche Leben neu definiert. Einen Bogen von Einfamilienhäusern und Kindergärten über Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Schulen bis hin zu öffentlicher Infrastruktur spannend, zeigt die Ausstellung auf, wie Architektur über unterschiedliche Maßstabsebenen, Altersgruppen und gesellschaftliche Bedingungen hinweg ihre Wirkung entfaltet.
Einige Themen ziehen sich wie Leitmotive durch die gesamte Ausstellung: Betreuung und Komfort, Bildungs- und Lernräume, die Rolle des öffentlichen Raums, Material- und Naturkreisläufe, die Herausforderungen des Bauens im Bestand sowie die unsichtbare Arbeit hinter „einfachen“ architektonischen Gesten.
The Prize Bag: Double Lives of Architecture verzichtet auf Schlussfolgerungen und versammelt stattdessen Geschichten, die aufeinander aufbauen. Auf diese Weise hält die Ausstellung das Verständnis von Architektur offen: als gemeinsame kulturelle Praxis, die im Alltag verankert ist und fortwährend von jenen geformt und geprägt wird, die sie bewohnen und nutzen.
Projekte in der Ausstellung
Preisträger: Salon Stolz | Architektursalon und su.n -spaceunit network
Anerkennung: Stadthalle Kapfenberg | .tmp architekten Anerkennung: LFS Grottenhof Modernisierung | ARGE LFS GRO: Caspar Wichert Architektur + OSNAP Open South North Architecture Practice Anerkennung: AHS Reininghaus | j-c-k Architekten Anerkennung: baumhaus | konstruktiv – Studio für Architektur Haus der Biodiversität in der Tierwelt Herberstein | Pretterhofer Arquitectos / MVD Austria Haus F | MALEK HERBST Architekten Bildungscampus Zeltweg | ARGE: reitmayr architekten + balloon architekten Mehrgenerationenpflege Knittelfeld | Dietger Wissounig Architekten Pfarrkindergarten Öblarn | GMP Architektur Volksschule Reininghaus, Graz | dreiplus Architekten Erweiterung Kinder- & Jugendpsychiatrie LKH Graz II Süd | ARGE: NOW Architektur + Architekt DI Tinchon PALLIATIVSTATION LKH SÜDWESTSTEIERMARK, STANDORT DEUTSCHLANDSBERG | INNOCAD architecture Re:House – A Circular Building | Agency in Biosphere – Markus Jeschaunig
Das HDA lädt gemeinsam mit dem Land Steiermark und der ZT-Kammer herzlich zur Eröffnung der Ausstellung zum Architekturpreis des Landes Steiermark 2025 ein. Die Kurator:innen Sevince Bayrak und Oral Göktaş vom Istanbuler Büro SO? architecture and ideas sowie die HDA-Programmleiterin Zerina Džubur geben Einblicke in die Konzeption und die inhaltlichen Schwerpunkte der Ausstellung.
Der Architekturpreis des Landes Steiermark 2025 geht an Architektursalon und su.n - spaceunit.net für den Salon Stolz. Als Kurator:innen wurde das Architekturbüro SO? architecture and ideas von der Steiermärkischen Landesregierung bestellt.
Das neue HDA-Format world_wide_wisdom lädt begleitend zu den Ausstellungen internationale Architekt:innen und Denker:innen zu Impulsvorträgen und Gesprächen ein. Im Rahmen der Ausstellung Bauherr:innenpreis24 – Unterwegs gibt das Istanbuler Architekturbüro SO? Architecture and Ideas, Kurator:innen des Architekturpreises des Landes Steiermark 2025, Einblick in ihre Positionen und Arbeitsweisen.
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