Bestandserhebung!
Sandra Chesi, Fritz Nussbaumer
Wir haben ein dringendes Anliegen, welches uns mit den komplexen Erfahrungen vieler Jahre immer wesentlicher erscheint: Die Erhebung von Bestandswerten. Der Begriff des Genius loci ist in der Baukultur thematisiert worden und unter dem drängenden Ziel der Nachhaltigkeit und der Umweltschonung werden Prozesse des Planens und Bauens mittlerweile reflektiert. Aber Bestandserhebung könnte so viel mehr, wenn sie ganzheitlicher und breiter mit einbezogen würde!
Materialität:
Wo bringen Material-Interaktionen Vorteile? Oft fehlt das Wissen darum, wie sich Systeme zu- und miteinander verhalten. —z.B. Luftaustausch, Binnenklima, Feuchtigkeitsregulierung, auch optische, haptische oder ästhetische Werte.
Historische, gewachsene Mehr-Werte:
Über Bestand kann ein Zugang zur Vergangenheit des Ortes und damit der involvierten Menschen und ihrer Lebensthemen generiert werden. Diese Verbindungen scha en ein größer gefasstes Bewusstsein von Zusammenhängen, Wandlungen und eigenen „Lebensspuren“.
Bereitschaft, das Größere, Ganze miteinzubeziehen:
— Ortsbild, Ensemble, Sichtachsen… Tunneldenken führt zur Ab- Spaltung von Einzelobjekten (und deren Nutzern?) Zitate der Umgebung sprechen Einladungen aus!
Lebenswelt der Nutzenden:
Raum geben für das Erheben/ Heben von großen Qualitäten für nutzende Menschen! Wir plädieren für eine eingehende Befundung des Bestandes vor Beginn der Planung und mit Einbeziehung der Außenräume! Oft gibt es auch im Außen gewachsene Werte (Lebensräume div. Spezies, „Nischen“ mit gewachsener Sondernutzung..) welche unbedingt miteinbezogen werden sollten. Dass man viele dieser Werte aufgrund ihrer Komplexität in empirischen Befundungsprozesses erheben muss, liegt für uns auf der Hand. Der Wertgewinn scheint uns aber in jedem Fall mehr als gegeben, bestehende „Schätze“ werden gehoben. Im Sinne einer notwendigen Bewusstseinsbildung würden wir uns über einen Austausch oder eine Ausstellung zu diesem Thema freuen!
